SCHAMANISMUS UND NACHHALTIGKEITstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1999 2.1.2 Die westliche Weltsicht als HandlungsgrundlageDer erwähnte Rahmen erlaubt den Menschen in der modernen Gesellschaft, die im wesentlichen von Europa und Nordamerika geprägt worden ist (daher ab hier »westliche Zivilisation«), eine große Ausbeutung der natürlichen Umwelt. Materielle Werte werden vielfach an die höchste Stelle gesetzt. Mit ihrer Technologie beschert diese Gesellschaft zumindest den Wohlhabenen ein bequemes und sicheres Leben. Begünstigt wird diese Gesellschaftsform durch eine materialistische Weltsicht: Während die christliche Religion mit ihren Ge- und Verboten ab der frühen Neuzeit immer mehr an Bedeutung verliert, werden langsam die aufstrebenden Naturwissenschaften zur Handlungsgrundlage. Die Naturwissenschaften stützen sich auf Beobachtungen in den vier Dimensionen von Raum und Zeit, die Wahrnehmung verstärkende oder verfeinernde Hilfsmittel sind dabei zugelassen. Die Erklärungen für solche Beobachtungen bilden das rationale Wissen, auf dem weiter aufgebaut wird. Nur auf diese Weise gewonnene Erkenntnisse gelten in der westlichen Zivilisation als objektive Realität. Was auf diese Weise nicht erklärbar ist, gilt als irrational. Irrationale Phänome werden rational auszudeuten versucht, was manchmal auch gelingt. [ 1 ] Gelingt das nicht, werden Phänomene als nicht existent, eingebildet oder im besten Fall als unerklärlich abgetan. Schlagen Erklärungsversuche fehl, so werden Phänomene als nicht existent, eingebildet oder im besten Fall als unerklärlich abgetan. Die rationalen Naturwissenschaften sind sicher nicht per se schlecht. Ein Großteil der Wissenschaftler scheint aber nicht bereit zu sein, das System der Wissenschaften zu erweitern, wenn Beobachtungen dies nahelegen. Das verläßt den Vorsatz einer objektiven Forschung genauso wie das Unterschlagen oder Verfälschen von Ergebnissen aufgrund von Partikularinteressen. Zwei weitere Vorwürfe müssen sich die Naturwissenschaften gefallen lassen: Erstens ist die Beschränkung auf die physikalisch-chemischen Gesetze des Raumes und der Zeit als Unvollständigkeit zu sehen. Andere menschliche Gesellschaften haben Weltsichten, die einen sehr viel größeren Teil der Realität verständlich machen. Dies wird in den Kapiteln 3 und 4 ausführlich dargestellt. Zweitens führt der Gewinn von Erkenntnissen nicht zwangsläufig zum Handeln, weil den Entscheidungsträgern das Wissen zu lückenhaft oder zu wenig gefestigt erscheint. So haben die Erkenntnisse der Wissenschaft »Ökologie« noch nicht zu einer grundlegenden Änderung menschlichen Handelns geführt. In anderen Bereichen, z. B. in der Gentechnik, wird trotz Wissenslücken überhastet gehandelt, ohne die Risiken zu erforschen. Gründe für diese Entscheidungsfindungen sind oft die materiellen Interessen einzelner Gruppen, die starken Einfluß auf die Politik haben. Es gelingt den Naturwissenschaften (als Handlungsgrundlage oder -rahmen für die westliche Gesellschaft) nicht, dieses übersteigerte materielle Streben ökologisch sinnvoll zu begrenzen. Verweise:[ 3. Schamanismus im arktischen und subarktischen Raum ] [ 4. Schamanismus in Lateinamerika ] Quellen:Glossar:[ Materialismus ] Fußnoten:[1] So haben zum Beispiel Forscher Spukphänomene in England als durch Wind hervorgerufene Infraschalleffekte erkannt. Damit ist die objektive Realität erweitert worden [ Anonymus 1998 ] zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2003 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |