SCHAMANISMUS UND NACHHALTIGKEITstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1999 2.2 Sexualität, Partnerschaft und FortpflanzungWie schon eingangs des Kapitels 2 erwähnt, läßt sich der große Bereich von Sexualität und Liebe nur schwer den (geschilderten) physischen und den (noch zu schildernden) psychischen Bedürfnissen zuordnen und wird darum zwischen diesen Gruppen beschrieben. Im Zuge der Pubertät tritt der Sexualtrieb zutage und verlangt Befriedigung. Daraus ergibt sich ein physisches Bedürfnis, eine Partnerschaft einzugehen. Schwieriger zu fassen sind die psychischen Aspekte, die den Menschen dazu veranlassen, sich an einen Partner zu binden: Der Mensch verspürt ein Bedürfnis nach Liebe, wobei unter diesem Begriff ganz allgemein eine besonders intensive Form sozialen Zusammenlebens verstanden werden kann. Konkrete Aspekte von Liebe sind Zuneigung, geistige Verbundenheit und extrem postive Gefühle gegenüber dem Partner oder der Partnerin. Ohne den erfüllten physischen Aspekt, der Sexualität, ist Liebe aber nicht denkbar: Beides gehört zur Partnerschaft und trägt zu ihrem Gelingen bei. Dieses Gelingen besteht nicht aus einem zwecklosen dauerhaftem Zusammenleben der Partner. Das höhere biologische Ziel ist die Fortpflanzung. Liebe und Sexualität sind also überragend wichtig für das Überleben der Art. Zur Sicherung des Arterhalts gehört nicht nur das Zeugen von Kindern, sondern auch die Sorge um den Nachwuchs: Es müssen die kindlichen Bedürfnisse befriedigt werden und dem Kind muß beigebracht werden, wie es später für sich selbst sorgen kann (Erziehung/Ausbildung). Für die Auswahl des Partners ergeben sich daraus einige Motive: So könnte der Mensch dem Sexualtrieb folgen und damit das Aussehen des Partners in den Vordergrund stellen. Es könnte auch die Liebe den Ausschlag geben oder materielles Interesse den Hauptgrund bilden: Ein Mensch möchte mit der Auswahl des Partners seine Zukunft absichern, also die dauerhafte Befriedigung der physischen Bedürfnisse garantiert bekommen. Materielle Interessen stehen oft auch in den Kulturen im Vordergrund, in denen die Eltern (oder die ganze Familie) den Partner wählen. In der Diskussion um die Probleme der materialistischen Gesellschaft ist die Schilderung dieser Punkte wichtig, weil es ein bestimmtes Werbungsverhalten gibt, mit dem der Mensch eine Partnerschaft aufbauen will. Wenn materielle Statussymbole in einer Gesellschaft den höchsten Wert besitzen, dann wird bei vielen Menschen der Hinweis auf die eigenen materiellen Vorzüge im Werbungsverhalten eine besondere Rolle spielen. Alltagsbeispiele können vom Tragen teurer, modischer Kleidung bis hin zum aggressiven Fahren großer Autos beobachtet werden. Mit einer solchen materialistischen Protzerei soll oft auch die eigene sexuelle Attraktivität erhöht werden, besonders dann, wenn es nicht um eine dauerhafte Partnerschaft geht, sondern eben nur um »Sex für eine Nacht«. »Liebe« ist dabei nicht wichtig. Dieses Verhalten tritt in der westlichen Zivilisation verstärkt auf. Im Bereich von Liebe und Sexualität sind in der westlichen Zivilisation ehemals natürliche Verhaltensweisen inzwischen ebenfalls materialistisch geprägt. Genau wie bei der Befriedigung der physischen Bedürfnisse muß in einer nachhaltigen Gesellschaft dieses materialistische, also übersteigert materielle, Streben auf ein ökologisch vertretbares Maß reduziert werden. Den Menschen muß eine Auswahl entsprechender Verhaltensweisen zur Verfügung stehen, mit denen die Bedürfnisse auf nichtmaterialistische Art befriedigt werden können. Die folgende Diskussion über die psychischen Bedürfnisse bietet bereits einige Ansätze dazu. Quellen:zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2003 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |