SCHAMANISMUS UND NACHHALTIGKEITstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1999 4.1.2 Das Menschenbild der LakandonenDer Mensch ist als System in seine Umwelt eingebunden. Ebenso wie über Schöpfung und Weltbild entnehmen die Lakandonen ihr Menschenbild ihrer Mythologie. Demnach besteht der Mensch (winik) aus sechs Teilen, nämlich
Schon aus der Aufzählung wird deutlich, daß der Körper, also der materielle Aspekt, einen nicht so hohen Stellenwert hat wie in der westlichen Zivilisation, wo oft die Unterteilung in Körper, Geist und Seele unternommen wird, der Körper also eins von drei Elementen ist. Bei den Lakandonen stehen ihm fünf nichtmaterielle Aspekte gegenüber. Der Körper ist lediglich der physische Aspekt des Menschen, der mit der realen Welt (die ja auch nur ein Teil des Universums ist) interagiert. Ihm wird also die physische Beziehung zur Umwelt zugeordnet. Die vier Geister sitzen an den Pulsstellen der Arme und Beine und helfen, das Blut durch den Körper zu pumpen. Verlassen sie den Menschen, so stirbt er. Daher ist den Geistern auch der Tod zugeordnet. Nach dem Tod leben die Geister im Wald, so bleibt der Mensch auf dieser Ebene ewig dem Wald verbunden, zumindest, solange dieser besteht. Der Tiergeist steht für das Schicksal. Über ihn ist der Mensch an ein Tier des Waldes gebunden, es ist sein Spiegelbild. Das Denken steht für die Kultur, die den Heranwachsenden in einer Initiation vermittelte Tradition. Man »denkt« also, wenn man sich so verhält, wie die Urahnen es einst gelernt haben. Die Seele verbindet den Menschen mit der Unsichtbaren Welt, über sie kann der Mensch die Seelen anderer Wesen und damit andere Wesen selbst beeinflussen. Die wichtigste Rolle mag das Bewußtsein spielen, dem der Kosmos zugeordnet ist. Es muß nicht fest an den Körper gebunden sein, verbindet aber den Menschen mit dem Kosmos. Der Mensch wird dadurch zum Bild des Universums: Ist der Mensch krank, d. h., ist sein Bewußtsein gestört, so ist auch das Universum krank. Die Nahtstelle ist dabei das »Bewußtsein des Himmels« bzw. des Schöpfergottes Hachäkyum, der im Zentrum des Himmels wohnt. Das Bewußtsein des Menschen (und damit auch der Mensch) muß in das Bewußtsein des Himmels integriert werden, andernfalls ist das Bewußtsein des Himmels gestört, was sich in Störungen des Ökosystems Regenwald bemerkbar macht. Mit anderen Worten: Nur wenn der Mensch als Teil des Ökosystems in dieses integriert ist, kann er überleben. Quellen:[ Rätsch 1985 ] zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2003 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |