SCHAMANISMUS UND NACHHALTIGKEITstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1999 5.2 Die gescheiterte »psychedelische Revolution«Die (Wieder-)Entdeckung der Bedeutung veränderter Bewußtseinzustände hat die Wissenschaften erschüttert. LSD als Schlüssel zu Bewußtseinsveränderung ist bereits seit den vierziger Jahren bekannt, Wasson hat, wie beschrieben, seine Psilocybin-Erlebnisse 1957 in die Öffentlichkeit gebracht. Das Interesse ist groß und Wissenschaftler wie Timothy Leary, Dozent an der Harvard-Universität, beginnen, die Wirkung bewußtseinsverändernder Substanzen zu erforschen und erkennen das Potential, das in diesen Stoffen steckt. Das entdeckt aber auch die breite Masse, und als ob die Zeit noch nicht reif ist, werden viele der Substanzen als Reaktion auf den massenhaften Ge- und Mißbrauch verboten. Die USA sind auch heute noch Vorreiter in der Bekämpfung des Drogenhandels. Ein weiser Gebrauch, eingebettet in die Gesellschaft, scheint weiter entfernt als je zuvor, zumal die Diskussionen oft ideologisch und damit unwissenschaftlich geführt werden, auf Seiten der Gegner und der Befürworter. Durch das breite Verbot vieler Substanzen wird die wissenschaftliche Forschung sehr erschwert, völlig aufgegeben hat man sie aber nicht. Trotzdem: Das breite Ausrufen einer neuen, psychedelischen Epoche hat genau das Gegenteil zur Folge: Drogengebrauch wird verboten und damit in den Untergrund und auch in die Unwissenschaftlichkeit abgedrängt. Die Gesellschaft ist in den sechziger Jahren noch nicht bereit für dieses Wissen und die führenden Forscher können ihre Ergebnisse nicht etablieren: »Zurückblickend glaube ich, daß das Problem einfach darin lag, daß wie [sic, wohl: »wir«] nicht wußten, wie man Psychedelika benutzt, weil unsere Kultur nie ein Vorbild für ihren Gebrauch hatte. Wäre anstatt von Timothy Leary ein alter amazonischer Schamane unser Guru gewesen, dann hätte sich die Ära vielleicht ihren anfänglichen Versprechen gemäß entwickeln können. Gemessen an ihrem Anspruch, bedeutsamer als Luthers Thesenanschlag zu sein (Ott s. a.), muß die psychedelische Revolution als gescheitert erklärt werden: Im Zuge der Reformation entsteht bereits zehn Jahre nach dem Thesenanschlag eine institutionelle Infrastruktur (Landeskirchen), vierzig Jahre später (1555) ist nach Kriegen und Aufständen die neue Konfession im Augsburger Religionsfrieden etabliert. Zehn Jahre nach Wassons Veröffentlichung seiner Erlebnisse werden die meisten Drogen verboten, vierzig Jahre später sind die Ergebnisse der inzwischen stattgefundenen Forschung so gut wie gar nicht in der breiten Öffentlichkeit bekannt. [ 29 ] Wenn eine Neuorientierung der Wissenschaft in den Medien gefordert wird, dann meist auf der bisherigen rationalen Basis (z. B. Wilson 1998). Die Gentechnik nimmt dabei die Schlüsselstellung ein, obwohl ihre Risiken noch gar nicht ausreichend geklärt sind. Ungeachtet dessen soll jetzt gezeigt werden, wie Drogen innerhalb der westlichen Kultur genutzt und veränderte Bewußtseinszustände in der Medizin verwendet werden können. Quellen:[ DeKorne s. a. ] [ Ott s. a. ] [ Wilson s. a. ] Fußnoten:[29] Obwohl das im Informationszeitalter doch leichter sein müßte als während der Reformation. zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2003 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |