SCHAMANISMUS UND NACHHALTIGKEITstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1999 5.4.1 Das Spring-Grove-ProgrammIn dem von Grof mitgeleitetem »Spring-Grove-Programm« [ 33 ] (1967–73) werden meist unheilbar an Krebs Erkrankte mit LSD oder Dipropyltryptamin (DPT) behandelt. Ziel sind vor allem die psychischen Probleme, die eine derartige Krankheit mit sich bringt. Zwar ist diese Forschung eine konsequente Entwicklung der westlichen medizinischen Forschung, gleichzeitig werden aber Anregungen von Valentina Pawlowna und ihrem Mann Gordon Wassonüber den Pilzschamanismus berücksichtigt. Frühe Erfahrung macht auch Aldous Huxley mit veränderten Bewußtseinszuständen, der seiner krebskranken Frau mit Hypnose beisteht. Im Spring-Grove-Programm geht es um die psychische Betreuung der Patienten. Mehr oder weniger überraschend ist häufig die Reduzierung von Schmerzen oder gar des Tumors selbst ein Ergebnis dieser primär psychischen Behandlung. Da es keinen Zusammenhang zwischen Höhe der Dosis und des Rückganges der Schmerzen und/oder des Tumors gibt, wird eine starke Beteiligung der Psyche vermutet (psychische Probleme können zur Entstehung eines Tumors beitragen). Verschiedentlich entwickeln Patienten auch Techniken, die sie befähigen, die Drogenerfahrung zu einem beliebigen Zeitpunkt ins Gedächtnis zu rufen und so akuten Schmerz zu bekämpfen. Der oder den LSD-Sitzung(en) geht eine intensive psychotherapeutische Behandlung voraus, in der die Patienten auf das, was sie unter Umständen erwartet, vorbereitet werden: Da sie auch mit allen bisher unterdrückten Problemen konfrontiert werden können, ist es wichtig, daß sie und die Angehörigen sich die gegenwärtige Situation (Unheilbarkeit, Unausweichlichkeit des Todes) eingestehen. Während der LSD-Sitzung können dann weit zurückliegende traumatische Erfahrungen, die vielleicht Mitgrund für den Krebs sind, aufgedeckt und verarbeitet werden. Die Patienten können auf diese Art mit ihrem Leben abschließen und in Frieden von der Welt gehen. Auch sind Todeserfahrungen während des Rausches keine Seltenheit. [ 34 ] Patienten mit solchen Erfahrungen verlieren meist die Angst vor dem bevorstehenden körperlichen Tod. Auf die Angehörigen kann das eine therapeutische Wirkung haben. Einige Patienten bekommen Ideen, wie sie ihr restliches Leben sinnvoll gestalten und sogar dem Tod einen Sinn geben können. Dazu kommen die schon angesprochenen möglichen schmerzlindernden Wirkungen. Grof gliedert die Erfahrungen in vier Bereiche, von denen einige auch für die Fragestellung dieser Arbeit relevant sind. Quellen:[ Grof 1988 ] Fußnoten:[33] nach dem Ort der Forschung, dem Spring Grove State Hospital in Baltimore, Maryland. [34] Dies läßt unwillkürlich an die Initiation sibirischer Schamanen denken. zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2003 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |