SCHAMANISMUS UND NACHHALTIGKEITstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1999 6.2.1 Paradigmenwechsel: Von der Naturbekämpfung zur Kooperation mit ihrEin ganz wesentlicher Bestandteil schamanischer Weltbilder ist das partnerschaftliche Verhältnis zur natürlichen Umwelt, denn jene Weltbilder machen deutlich, daß man von der Natur abhängig ist und daß man sie eben gar nicht besiegen kann. Man würde sich bei dem Versuch selbst Schaden zufügen, sei es als Krankheit oder als Entzug der Lebensgrundlagen. In diesem kooperativen Verhältnis sind auch Auseinandersetzungen, sogar Kämpfe möglich, es geht längst nicht alles harmonisch und friedlich zu. Diese Kämpfe finden aber in anderen Dimensionen statt, in den Ober- und Unterwelten. Ist der Versuch des Schamanen, Natur zu beeinflussen, zu groß, so wird er den Geistern unterliegen. Es findet hier also ein ökostabiles Geben und Nehmen statt anstelle der einseitigen Ausbeutung wie in der westlichen Gesellschaft. Dort müßte neben der Begrenzung von Überbefriedigung das Kooperationsprinzip im Umgang der Menschen mit der Umwelt und untereinander in den Köpfen verankert werden. Ob ein auf freien Wettbewerb ausgelegtes Gesellschaftssystem dieser Forderung genügen kann, scheint fraglich. Immerhin versucht die soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland, im sozialen Bereich beides zu vereinen. Es müßte aber zusätzlich jedes Individuum erkennen, wo Wettbewerb aufhören muß und Kooperation beginnt und dann aus freien Stücken danach handeln. [ 44 ] Die geistige Schulung muß dabei helfen, die übermäßige Angst vor Natur und Konkurrenz auf ein vernünftiges Maß an Respekt zu reduzieren. Die Möglichkeit, über veränderte Bewußtseinszustände mit Elementen der natürlichen Umwelt zu kommunizieren, kann dazu beitragen. Materialistisches Streben aus Angst vor Konkurrenz oder Angst vor Naturgewalten könnte mit Hilfe der geistigen Schulung überwunden werden: »Zwar gibt es ein gesundes Konkurrenzverhalten, aber im Notfall fängt die Gesellschaft mich auf, im Zweifel ist der Nächste nicht mein Feind, sondern mein Freund. Die Natur ist zwar stärker, aber ich kann mit ihr kooperieren, sie ernährt mich und tötet mich nicht.« Fußnoten:[44] Es ließe sich zwar Umwelthandeln über ökonomische Anreize erzielen, z. B. mit der Ökosteuer, dabei würde aber das materialistische Streben ausgenutzt und nicht überwunden. Als Hilfe in akuter Gefahr ist das zu akzeptieren, auf die Dauer wäre eine so organisierte Gesellschaft allerdings nicht wirklich nachhaltig: Umwelt wird nur geschont, weil es persönliche materielle Vorteile bringt. Ob wirklich ein Umweltschonen stattfindet, bleibt fraglich, weil das ersparte Geld sicher wieder materiellem Konsum zugeführt wird. zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2003 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |