SCHAMANISMUS UND NACHHALTIGKEITstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1999 6.2.3 Kontrolle der EntscheidungenIm großen Bereich demokratischer Entscheidungsfindung wird ein gewichtiges Problem sichtbar: Wer soll kontrollieren, ob getroffene Entscheidungen richtig sind? Der Mensch scheint nicht fähig, verantwortlich zu handeln, solange die Gefahr besteht, daß aus dem Selbsterhaltungstrieb heraus egoistische und materialistische Entscheidungen getroffen werden. Gerade, wenn der Entscheidungsträger Mitglied eines Parlaments oder einer Regierung ist, besteht die Gefahr, daß es bei Fehlentscheidungen wieder zu einer Bekämpfung der Natur oder zu egoistischen, unsozialen Auswüchsen kommt (Primat der freien Wirtschaft). Der Mensch scheint einer Selbstkontrolle nicht fähig, denn auch die Wähler, die in einer Demokratie die Entscheidungsträger kontrollieren, mindestens ablehnen oder bestätigen, können ihre Entscheidung angesichts kurzfristiger persönlicher Vorteile treffen. Um verantwortungsbewußt mit den natürlichen Lebensgrundlagen umgehen zu können, bräuchten sowohl Individuum als auch Gesellschaft eine Kontrollinstanz. Denkbar wäre die Schaffung von starren Gesetzen, die einen höheren Rang als die Verfassungen von Nationalstaaten und supranationalen Verträge hätten. Sie würden von Ökologen und Systemtheoretikern, vielleicht auch Volkswirten, geschaffen und hätten lange Gültigkeit. Nur ein sich selbst verantwortliches Gremium von hochkarätigen Wissenschaftlern dürfte Änderungen vornehmen, um zu vermeiden, daß falsche Entscheidungen getroffen werden. Das schon oft beschriebene Szenario einer Ökodiktatur träte ein, Menschen würden unterdrückt, da sie nicht mehr nachvollziehen könnten, was sie dürfen und was nicht, und auch keinen Einfluß auf diese Superregierung hätten. – Dies ist sicherlich nicht der Weg, den die westliche Gesellschaft einschlagen sollte. Das Problem der Objektivität bleibt ungelöst: Wer kann sich eines höheren Verstandes bedienen, um zwischen den subjektiven Zielen und Bestrebungen objektiv richtig zu vermitteln? Bei den naturnahen Völkern sind dies vielfach die Schamanen, die mit den Göttern und Geistern kommunizieren, in der westlichen Welt hat die Kirche lange große Macht gehabt. Leider ist sie dabei verweltlicht und hat sich selbst dem Materialismus hingegeben. Zugegeben: Das Bild von Politikern, die sich nach den Ratschlägen tanzender, trommelnder, singender Menschen in bunten Gewändern richten, mutet sehr merkwürdig und keinesfalls »vernünftig« an, aber das ist mit einer geistigen Schulung ja nicht gemeint. Die Frage ist: Sollte ein Repräsentant des Volkes nicht möglichst unabhängig zum Wohle aller und nicht nur starker Lobbyisten entscheiden? Jemand, der in einer geistigen Schulung weit fortgeschritten ist, wird doch eher in der Lage sein, die Dinge gewissermaßen von einer höheren Warte aus zu betrachten. Steiner (1982) fordert von den sogenannten Geheimschülern ausdrücklich das scharfe Nachdenken und das selbstlose Zuhören, um nicht zu vorschnell zu urteilen – etwas, was so manchem Politiker wohl gut anstünde. Die Wähler hätten dann die Aufgabe zu entscheiden, wer auf seinem geistigen Weg am weitesten gekommen ist, um jene zu wählen. Auch keine leichte Aufgabe, aber sicher erfüllbar, wenn der einzelne Wähler selbst Gelegenheit zur geistigen Schulung gehabt hat. Er wird dann vielleicht eher in der Lage sein, die (objektiv) besten Leute zu wählen. Quellen:[ Steiner 1982 ] Glossar:[ Materialismus ] [ Naturnahe Völker ] zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2003 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |