SCHAMANISMUS UND NACHHALTIGKEITstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1999 6.3.4 Schaffung einer InfrastrukturEine mögliche »Spiritualisierung« der westlichen Gesellschaft wird nie so weit gehen, daß jede Kommune maßgeblich von »ihrem« Schamanen beeinflußt wird. Es wird in der westlichen Welt nie so viele Leute geben, die so kompetent mit den Geistern kommunizieren, Krankheiten heilen oder die Umwelt (positiv) beeinflussen, wie die Schamanen in Sibirien, Lateinamerika oder sonst auf der Welt. So eine Struktur wird sich in der westlichen Welt nicht verwirklichen lassen. Die Errichtung einer Infrastruktur beschränkt sich aber nicht nur auf das Errichten von Bewußtseinsbildungszentren, auch Änderungen von Gesetzen, Verwaltungsvorschriften, Schaffung neuer Informationswege gehören dazu. Angenommen, in den Universitäten (als »Wissen schaffende Zentren«) ist schamanisches Wissen nach Vorgabe der Kapitel 6.3.1 und 6.3.2 etabliert. Dann können Universitätslehrer in der Ausbildung angehender Lehrer, Wissenschaftler, Theologen oder Mediziner dieses Wissen weiterverbreiten und Konzepte für eine geistige Schulung erstellen und lehren. Parallel dazu müßten die rechtlichen Grundlagen für eine breite geistige Schulung geschaffen werden. So müßten Lehrerausbildung und Lehrpläne für die Schulen so geändert werden, daß eben nicht nur das BOHRsche Atommodell gelehrt wird, sondern auch das schamanische Weltmodell. Später könnten dann junge Erwachsene selbst entscheiden, ob sie eine geistige Schulung durchlaufen wollen. Wenn das Bedürfnis nach solchen spirituellen Einsichten tatsächlich ein psychisches Grundbedürfnis ist, werden angebotene Möglichkeiten von der Bevölkerung schnell akzeptiert werden. Im theologischen Bereich muß die Ausbildung ebenfalls überdacht werden, und wenn christlicher Glaube wieder gelebt werden soll, gehört auch die Mystik in den Konfirmandenunterricht. Das wäre bereits eine erste Stufe geistiger Schulung. Auch die klassische naturwissenschaftliche und medizinische Ausbildung enthält jetzt schamanisches Wissen. Eine geistige Schulung leiten könnten also Schul- und Universitätslehrer, Ärzte, Psychologen oder Pastoren neben einem vielleicht neuem Berufszweig: Im Hinblick auf die nachhaltige Gesellschaft ist schon darauf hingewiesen worden, daß ein Umwelterzieher sich eben nicht nur auf die Umwelt beschränken kann, sondern, will er Erfolg haben, auch vieles andere mehr sein muß (Kapitel 6.2). Da entsteht vielleicht ein neuer Beruf eines »geistigen Lehrers«. Und dann ist es auch nicht mehr weit zu speziellen Bewußtseinsbildungszentren, die alles, was der Mensch in der nachhaltigen Gesellschaft wissen sollte, auf angenehme Art vermitteln, das Spirituelle wird dabei nicht zu kurz kommen. Haseneier (1992), ein Vertreter des Pilzkultes, schlägt Zentren in der Natur vor, die auf sogenannten Kraftplätzen gebaut sind: An solchen Stellen standen nach heidnischen Heiligtümern oft Kirchen oder Klöster, er möchte solche Plätze wieder zu Zentren geistiger Aktivität machen. Diese Zentren würden als Kultstätte (Meditationsort) und Ausbildungsort gleichermaßen fungieren. Je nach örtlichen Gegebenheiten sind solche Bewußtseinsbildungszentren auch als Teil einer Universität mit einschlägigen Studiengängen denkbar, was zugleich den Kontakt zu Stadt und Region verbessert – Vernetzung wird in der Nachhaltigkeitsdiskussion ebenfalls stets gefordert. An einer solchen Infrastruktur kann selbstverständlich auch schon gearbeitet werden, während die Integration schamanischen Wissens noch läuft, so sollte es sogar sein in Anbetracht der immer drängenderen ungelösten Probleme der Gesellschaft. Es gibt ja schon disziplinübergreifende Symposien und Gremien, die dazu bestimmt Empfehlungen abgeben würden. Soviele Vorteile anarchische Strukturen in diesem Bereich, der bisher eher zur Subkultur gehört, haben mögen, eine »Qualitätskontrolle« durch ein unabhängiges Gremium von Fachleuten wird früher oder später notwendig, auch sollte es eine Vereinigung über die Institutionen hinweg geben, die Öffentlichkeitsarbeit gebündelt betreibt und Interessierten Informationen geben kann, vielleicht auch ein Archiv vorhält. Eine solche Integration und Anwendung schamanischen Wissens in der westlichen Gesellschaft ist noch eine Utopie, die aber durchaus realisierbar wäre. Für die Rettung der westlichen Gesellschaft wird es jedoch bis zur Anwendung zulange dauern, andere, kurzfristige Maßnahmen zur Problembewältigung müßten vorgreifen. Verweise:Quellen:[ Haseneier 1992 ] zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2003 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |