SÁPMILeben im Norden Skandinaviens früher und heute startseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1997 1. EinleitungDie Veranstaltung ›Arktis und Antarktis‹ umfaßt eine vielfältige Vorstellung der beiden Polarräume. Dazu gehört auch die Kultur der zirkumpolaren Völker wie Inuit (Eskimos), die sibirischen Völker und eben die Samen oder Sami, früher Lappen genannt. Zielsetzung dieser Arbeit ist nach Maßgabe des Dozenten die Beschreibung der Kultur, besonders auch der ursprünglichen, und deren Wandel, die Probleme der Akkulturation und die Probleme nach der Tschernobyl-Katastrophe, die besonders die Rentierzucht berühren. Zum Verständnis der heutigen Probleme gehört nach Ansicht des Verfassers das Verstehen der Weltsicht der ursprünglichen Kultur, da sie sich wesentlich von der der westlichen Zivilisation unterscheidet. Deshalb wird diese Weltsicht, der Schamanismus, etwas ausführlicher beschrieben. Die Schreibweise der samischen Namen und Begriffe erfolgt im wesentlichen nach Ájtte 1993, die Begriffe ›Sami‹ und ›samisch' werden verwendet, weil zum einen der Begriff ›Lappe‹ von vielen Sami als abschätzig empfunden wird, er zum anderen aber auch nichtsamische Bewohner Lapplands meinen kann. ›Sápmi‹ setzt sich langsam nicht nur als einheimische Version für Lappland durch, sondern meint auch den Raum samischer Kultur. [Anm.: Diese Ausarbeitung entstand ein halbes Jahr, nachdem das Referat gehalten wurde. Es sind dabei noch neue Quellen, namentlich Findeisen 1983 und Müller 1997, in die Arbeit eingegangen.] 2. Die Sami – Herkunft und SiedlungsraumDie Sami besiedeln den nördlichen Teil der skandinavischen Halbinsel (Abb. 1). Dieses Gebiet ist seit dem Ende der Eiszeit und dem damit verbundenen Abtauen der Gletscher besiedelt, seit ungefähr 10.000 Jahren also. Felsritzungen sind seit 4.200 v. Chr. bezeugt und ab 1.500 v. Chr. machen Wissenschaftler in Form und Ornamenten der Keramikfunde deutliche Unterschiede zwischen den samischen Gruppen und den südskandinavischen Gruppen aus (Ájtte 1993: 6 ff.). Der Sprachverwandtschaft nach gehören die Sami zur Gruppe der Uralier, verwandte Völker in Europa sind nur noch Finnen, Esten und, weiter entfernt, die Ungarn. Sprachliche Verwandtschaft besteht weiterhin zu nordwest-sibirischen Völkern (Ájtte 1993: 49). Enge kulturelle Verwandtschaft besteht dagegen zwischen den meisten Völkern Nordeurasiens. Findeisen (1983: 24) spricht vom größten zusammenhängenden Kulturgebiet überhaupt.
Abb. 1: Siedlungsgebiete
der Sami Der Siedlungsraum der Sami ist Abbildung 1 zu entnehmen. Es stellt sich die Frage, warum die Sami nicht auch im südlichen Verbreitungsgebiet an die Küsten gehen, schließlich verspricht das Meer einige Ressourcen (Fisch) und ein günstigeres Klima (an der Atlantikküste). In diesem Bereich liegt aber bereits Trondheim, im Mittelalter die Hauptstadt Norwegens. Es wird deutlich, daß die Sami Seite an Seite mit den christlichen, mitteleuropäischen Kulturen leben, daß ein Kontakt wohl immer bestanden hat. Hier gibt es also Berührungspunkte zwischen der Zivilisation westlichen Zuschnittes und einem ›Naturvolk‹ und es stellt sich die Frage, warum sich die eine Gesellschaft technologisch entwickelt, die andere aber auf ihrer Entwicklungsstufe stehenbleibt. Der Grund hierfür ist wohl in der Weltsicht, im Schamanismus, zu suchen: Quellen:[ Ájtte 1993 ] zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2004 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |