SÁPMILeben im Norden Skandinaviens früher und heute startseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1997 Die Kolonisation SápmisBereits im frühen Mittelalter, seit dem 9. Jahrhundert, zahlen die Sami besonders aus den südlichen Gebieten Steuern an die südskandinavischen Könige (Ájtte 1993; Helander 1992). Diese Besteuerung hat als Belastung nicht zu einer grundlegenden Änderung der Lebensweise geführt, aber die Skandinavier dringen langsam weiter in den Norden vor, von der Küste stoßen sie ins Landesinnere, zunächst hauptsächlich als Händler, dann folgen Steuervogte, die das Land unter Beschlag nehmen. Weil sich die drei Nationalstaaten (Dänemark-Norwegen, Schweden-Finnland und Rußland) nicht über die Grenze einigen können, zahlen Sami im 17. Jahrhundert Steuern an alle Staaten. Die Karte zeigt die Steuergebiete.
Abb. 1: Steuergebiete der Sami im 17. Jahrhundert (aus: Ájtte 1993: 21) Den Steuervogten folgen die Pfarrer, die das Land christianisieren. Schamanismus zu akzeptieren, ist für die Kirche nicht zulässig, weil die Schamanen einen wesentlich intensiveren Zugang zu ihren Göttern haben als die Kirche zu ihrem Gott. So werden die Schamanen ermordet und ihre Trommeln verbrannt, nur wenige sind erhalten, das Singen von Jojks wird verboten. Die schamanistische Religion gibt es heute in Sápmi nicht mehr. Statt Trancerituale gibt es jetzt den Alkohol, dem viele Sami verfallen. Alkoholismus ist heute ein großes Problem im hohen Norden (s. u.). Als nächstes kommen Siedler ins Land, die den Sami, v. a., da sie seßhaft sind, die besten Plätze dauerhaft wegnehmen. Immer mehr Leute zieht es in den Norden, als dort Silber gefunden wird. Sami werden zur Arbeit im Bergbau gezwungen, später führt Eisenerzabbau bei Kiruna zu einer großen Störung der Natur. Orte entstehen aus dem Zwang für die Sami, sich an Kirch- und Marktplätzen zu versammeln. Dies dient nicht nur der Kirche zur fortschreitenden Christianisierung, sondern erleichtert auch die Festsetzung der Steuern. Auch heute finden an einigen Orten (z. B. Jokkmokk) ein- bis zweimal im Jahr große Märkte statt. Trotz dieser Einschränkungen können sich die Sami noch eine gewisse Freiheit bewahren, erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts beginnt die gewaltsame Assimilierung, ausschlaggebend sind die starke Betonung der Nationalstaaten in dieser Zeit aus der Romantik heraus und der aufkommende Sozialdarwinismus und damit verbunden der Kapitalismus. Jegliches Recht auf Land wird den Sami abgesprochen, die Steuern hätten sie nur für die Nutzung des Landes bezahlt, Kinder werden in Schulen gesteckt, in denen nicht samisch gesprochen wird; sie lernen nichts, was sie für ihre traditionelle Lebensweise brauchen, obwohl Sami noch nicht seßhaft werden können. Im 20. Jahrhundert, besonders nach dem zweiten Weltkrieg, verbrauchen die Skandinavier immer mehr Land für Straßen, Bergbau und die riesigen Staudämme. Touristische Nutzung trägt zur Zersiedelung und Überfischung bei. Die gesamte Politik zwingt die Sami schließlich, ihre Lebensweise aufzugeben und seßhaft zu werden. Sie leben heute in Häusern und höchstens im Sommer noch für ein paar Wochen in der Kote. Quellen:[ Ájtte 1993 ] zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2004 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |