SÁPMILeben im Norden Skandinaviens früher und heute startseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Lüneburg 1997 Sápmi - Die Situation heuteHeute gibt es ungefähr 70.000 Sami (Helander 1992: 1), die seit 1950 auch ihre Sprache wieder sprechen dürfen. Als Sami gilt, wer sich als Sami sieht und samisch spricht oder samisch sprechende Großeltern oder Eltern hat. Seit neuestem gibt es Sameschulen, die den Kindern neben der normalen Schulbildung das, was von der Kultur noch übrig geblieben ist, vermitteln. Daß die Rentierhaltung den Haupterwerbszweck darstellt, kann man nicht mehr behaupten: Nur 800 Familien leben hauptsächlich von der Rentierhaltung, das sind 10 % der norwegischen, 20 % der schwedischen und 30 % der finnischen Sami, ungefähr 15 % der Sami überhaupt (errechnet nach Bronny et al. 1985: 530 und Helander 1992: 1). 1500 Familien betreiben die Rentierzucht zum Nebenerwerb. Der Rest der Sami ist überdurchschnittlich (im Vergleich zum Rest der Skandinavier) im primären Sektor beschäftigt. Handwerk hat besonders für die touristische Branche Bedeutung (Souvenirs), im tertiären Sektor sind die Sami unterrepräsentiert und wenn, dann oft im touristischen Sektor zu finden, z. B. als Bootsfahrer auf Seen oder Souvenirhändler (vgl. Helander 1993: 28). Die Sami bekommen heute Zuschüsse von den Staaten, aber nicht für die traditionelle und auch von den Sami gewünschte Wirtschaftsweise (die im übrigen dem Konzept von Nachhaltigkeit entsprechen würde). Allerdings wird den Sami immer noch das beste Land für die schon beschriebenen Zwecke Tourismus, Straßenbau, Forst- und Landwirtschaft, militärische Nutzung und v. a. für die Wasserkraft weggenommen. In der Regel unterliegen die Sami vor Gericht. Schweden hat 1993 (auch 1999) noch nicht die ILO-Konvention 169 ratifiziert, die sich mit den Rechten von Urbevölkerungen beschäftigt, Norwegen hat das 1990 getan. In Finnland gibt es zwar seit 1991 ein Schutzgesetz zum Schutz der Natur und der samischen Rechte, aber Finnen, die vorher schon in Sápmi tätig waren, erhalten Ausnahmegenehmigungen für z. B. Bau von touristischen Anlagen oder Fischerei. Tatsächlich findet sich nur ein Grund, warum die Sami ihr Land nicht selbst verwalten sollen: Die Profitgier der Südskandinavier. So Schweden ist z.B. von der Wasserkraft Sápmis abhängig, muß also Sápmi ausbeuten, um sein System zu erhalten. In der Tat gibt es aber Schritte zur begrenzten Selbstverwaltung: In den letzten Jahren wurden Sami-Parlamente eingerichtet, in Finnland bereits 1972, in Norwegen 1989 und in Schweden 1993. Diese Parlamente werden von den Sami gewählt und nehmen sowohl gesetzgebende als auch verwaltende Funktionen war. Ihre Kompetenzen werden ihnen aber von den Parlamenten der Nationalstaaten gewährt, so erstreckt sich ihr Bereich meist auf beratende Funktionen. Ob durch den EU-Beitritt Schwedens und Finnlands die Situation verbessert wird, bleibt abzuwarten. Schritt für Schritt werden die Sami versuchen, sich weitere Rechte zu erstreiten. Magga (1993) sieht ein Problem nicht nur in der unterschiedlichen Bereitschaft und Sichtweisen von Ministerien und Sami, sondern auch in den starken Gegensätzen der Kulturen (»manifest cultural gap«). Eine Lösung des Problems scheint nicht in Sicht, solange die Nationalstaaten ihre Ansprüche nicht zurückschrauben. Vom traditionell schonenden Umgang mit der Natur könnten sie eher von den Sami lernen, als daß umgekehrt die Sami irgend etwas von der westlichen Zivilisation zu lernen gehabt hätten.
Abb. 1: Rene in Schwedisch-Sápmi (eigenes Photo 1995) Abschlußbemerkungen (des ursprünglichen Referats)Es wurde gezeigt, wie eine faszinierende, ursprüngliche Kultur von der westlichen Welt systematisch zerstört wurde. Dies ist kein Einzelfall, im Zeitalter des Imperialismus ist dies überall auf der Welt geschehen, als populärstes Beispiel können die Indianer Nordamerikas gelten. Die Sami stehen vergleichsweise gut da, denn sie mußten zwar Land abgeben, sind aber nie in engen Reservationen zusammengetrieben worden und konnten auch ihre Lebensweise länger beibehalten. Die Rentierzucht war zum Zwecke der Steuereinnahmen gewünscht. Das mag heute eine Renaissance samischen Bewußtseins und Kultur einfacher erscheinen lassen, zumal sie zum Großteil in wohlhabenden Ländern geschieht. Interessant wäre zu erfahren, wie das Verhältnis staatlicher Zuschüsse und Förderung im Vergleich zu den Steuererlösen heute ist. Fakt ist und bleibt aber, daß große Teile der Kultur unwiederbringlich zerstört sind und die jetzige Identitätsfindung der Sami noch dauern wird, länger allerdings werden sie brauchen, um ihre Rechte auf Land und selbstbestimmte Lebensweise durchzusetzen. »Solange wir Wasser haben, wo Fische leben
(Paulus Utsi, in Schwaar 1994: 29) Quellen:[ Bronny et al. 1985 ] zum Weiterlesen:Das ganze [ Gedicht ]
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