ZUM NATURVERSTÄNDNIS DER SAMIstartseite | impressum | inhaltsverzeichnis Hanjo Schlüter, Jokkmokk 1999 QuellendiskussionDie Quellen, die mir für die Arbeiten zum samischen Naturverständnis zur Verfügung stehen, sind Sekundär- oder Tertiärliteratur. Die samische Kultur war ursprünglich schriftlos, und dann sind wir westlichen Forscher vielleicht nicht intelligent genug, die Dokumente der Sami, Felsritzungen oder Trommelzeichnungen, richtig zu lesen – obwohl es gerade über die Trommeln umfangreiche Studien von großem Wert gibt (Manker 1938 & 1950), aber sie kommen über ein bloßes Entziffern der Symbole nicht hinaus. Schamanismus und Religion der Sami sind nicht länger sichtbar, zeitgenössische Schilderungen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sind aber zumeist von Missionaren beschrieben, zumindest aber von einem überheblichen christlich-missionarischen Eifer geprägt. Als Quellen kommen nach Pentikäinen (1998) auch Gerichtsakten in Frage: Schamanen, die wegen heidnischer Praktiken angeklagt wurden, haben manchmal detailliert Auskunft gegeben. Nichtsdestotrotz ist der samische Schamanismus einer der am besten beschriebenen, aufgrund seiner Nähe zu Schriftkulturen. Ich habe mich im Wesentlichen auf Tertiärliteratur gestützt, auf Arbeiten von Kultuwissenschaftlern dieses Jahrhunderts, die der samischen Kultur nicht mehr überheblich gegenüberstehen, sondern die Primär»literatur« (Zeichnungen auf Trommeln und Felsen) und Sekundärliteratur in der notwendig umsichtigen Weise ausgewertet haben. Beim Streifzug durch Literatur fällt auf, dass in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts besonders die samische Religion gern als Produkt äußerer Einflüsse erklärt wird. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ändert sich das langsam. Einige Autoren sind bis dahin auch der überheblichen westlichen Sichtweise verhaftet und bemühen sich nicht um ein echtes Verständnis schamanischer Phänomene. In der englischsprachigen Literatur sind Bäckman & Hultkrantz (1978) die ersten, die samischen Schamanismus umfassend und sorgfältig darstellen. Hultkrantz ist zudem einer der Mitbegründer und Hauptvertreter des »religious-ecological approach«, mit dem die Einflüsse der Umwelt auf die Religion erklärt werden sollen. Für die umgekehrte Richtung, also meine Fragestellung, gibt die Literatur noch sehr wenig her – der umfangreiche Bibliographie von Gilberg & Gilberg (1990) nach habe ich kein wesentliches englisch- oder deutschsprachiges Werk ausgelassen. Auch die danach erschienenen Bücher geben diesbezüglich wenig her. Neben den Gerichtsakten (z. B. Edsman 1985) sind die frühesten samischen Dokumente Turi (1931, geschrieben 1910) und Turi & Turi (1920). Ihr Ziel ist es, samische Kultur verständlich zu machen und darum die reine Wahrheit niederzuschreiben. Diese Schilderungen liefern interessante Details über die Spätphase des Schamanismus, gleichwohl stark christlich überprägt. In der Gegenwart gibt es dann einige samische Schriften, auch in englischer Sprache und dazu die ausgezeichneten Kulturbeschreibungen Schwaars. Mit dem traditionellen Schamanismus beschäftigen auch sie sich freilich nicht. Da also die Literatur sich nicht intensiv mit meiner Fragestellung auseinandersetzt, müssen eigene, vorläufige Interpretationen die Lücke füllen. zum Weiterlesen:[ Einleitung und Methode ] zurück | inhaltsverzeichnis | weiter erstellt 2004 (c) hanjo schlüter | startseite | impressum |